Unzureichende Infrastruktur (viel zu wenig Parkplätze an den Autobahnen, Bundesstraßen und in Industriegebieten, sowie der Zugang zu bezahlbaren sanitären Einrichtungen) sind nur ein Aspekt des Berufes.
Die körperlich anstrengende Arbeit wird kaum wertgeschätzt. Fahren die Fahrer nach dem Be- oder Entladen weg von der Rampe, so kann kaum ein Mitarbeitender des Betriebes, eine halbwegs zutreffende Personenbeschreibung abgeben. Michaijlo (ein Fahrer aus Mazedonien) berichtet: „Ich fühle mich nur als Mittel zum Zweck oder werde auf der Autobahn angehupt und als Störfaktor gesehen.“
Neben der körperlichen Dimension gibt es die psychische Komponente: Die Fahrer sind auf sich gestellt, parken heute hier und morgen dort, immer rechtzeitig auf der Suche nach einer freien Parktasche und haben kaum Möglichkeiten soziale Kontakte zu pflegen. Die Familie, die sie über Handy kontaktieren, ist hunderte Kilometer entfernt. Die Ehepartner und Kinder müssen mit abwesenden Partnern und Elternteilen irgendwie klarkommen. Das ist nicht einfach. Ivo (aus Belarus) berichtete, dass er schon seit 5 Monaten unterwegs ist und bestenfalls erst wieder in 4 Wochen zu Hause sein kann. „Ich vermisse meine Frau Alena und meine zwei kleinen Kinder Kira 4 Jahre und Jelena 2 Jahre.“ Immer wieder treffen wir auf Fahrer, die uns tränenreich von auseinander gebrochenen Beziehungen erzählen, was uns jedes Mal sehr berührt.
Heike Gotzmann, Betriebsseelsorgerin organisiert seit 2018 die LENKPAUSEN im Hegau. Am Samstag 28.06. fand wieder eine Lenkpause statt. Das wichtigste ist die Begegnung und das Gespräch, wofür Dolmetscherinnen, die über osteuropäische Sprachkenntnisse verfügen, helfen, um die Sprachbarrieren zu überwinden. Bei Pizza und kühlen Getränken kamen gute Gespräche mit den Fernfahrer/innen zustande. Über einen Schlagstock konnten aber auch Christophorus Münzen geprägt werden (Christophorus gilt als Schutzheiliger für Reisende).
Mit von der Partie war ein geschnitzter König und eine lebensgroße Figur des Königs, der als Symbol für die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen steht (vgl. Vesperkirche Singen im Januar 2025).
Abgerundet wurde der sehr gelungen Nachmittag durch die Band „Message“ aus Burladingen, die aktuelles internationales Liedgut interpretierte. Mitgebracht hat diese Pfarrer und Fernfahrerseelsorger Klaus Käfer, der im Oktober in die Pfarrei neu nach Singen wechseln wird und ebenfalls bei der LENKPAUSE ein Mann der 1. Stunde ist. Die Fahrer fanden es klasse und sangen, tanzen und klatschten mit.
Besonders bedankten sich die Fahrer bei den extrem heißen Temperaturen für die Duschgutscheine, die das Netzwerk kostenlos an diese verteilt hat und die über Spendengelder der LENKPAUSE finanziert werden.
Sie möchten gerne mithelfen oder spenden für das Projekt LENKPAUSE? Setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung unter
www.lenkpause.de Verrechnungsstelle für Kirchengemeinden Singen
IBAN: DE80 6925 0035 0004 4923 02 Sparkasse Hegau-Bodensee
Vermerk: W71 - Spende Lenkpause