20 Mitglieder des Netzwerks Kirche und Arbeitswelt besuchen LKW-FahrerInnen am Rastplatz Hegau
Bojan Mitric, ein junger Mann aus Serbien beschreibt es so: „Seit 8 Jahren arbeite ich als LKW-Fahrer mit Be- und Entladestationen in ganz Europa. Heute hier morgen dort. Ich fahre oftmals unter Termindruck, weil Baustellen Staus verursachen oder sich eine Abladung verzögert. Die fehlenden Parkplätze für den LKW mit Anhänger sind ein Riesenproblem.“ … und dann fügt er leise hinzu: „Wenn ich ehrlich bin, dann mag ich meine Arbeit nicht. Ich bin viel zu selten zu Hause und sehe meine Frau und meine kleine Tochter nur alle paar Wochen. Wenn ich dann wieder los muss, sind wir alle sehr traurig.“ Er wischt sich mit der Hand über die Augen.
Bojan lässt uns noch einen Blick in seine Fahrzeugkabine werfen.
Die Schuhe stehen draußen auf dem Trittbrett. Direkt hinter dem Fahrersitz gibt es eine schmale Matratze, oben drüber befinden sich ein paar Fächer für persönliche Sachen. Eine elektrische Kühlbox steht im Fußraum des Beifahrersitzes und frisches Wasser holt er in Kanistern am Rastplatz. Sein Essen bereitet er sich bei trockenem Wetter auf einem kleinen Gaskocher im Freien zu.
Er fahre für eine Spedition in Tschechien und erzählt, dass er das Glück hat, nur einen Arbeitgeber zu haben. Sein Lohn kommt pünktlich, so dass er seine Familie zu Hause verlässlich finanziell unterstützen kann.
Ehrenamtlich Mitwirkende des Netzwerks Kirche und Arbeitswelt besuchen am Karsamstag an der Rastanlage Hegau Fahrerinnen und Fahrer, um diesen Danke für ihre Arbeit zu sagen. Vier Tage stehen sie aufgrund des LKW-Fahrverbots. Frisch gebackene Hefeteighasen, gefärbte Eier und Schokoeier werden neben Duschgutscheinen verteilt. Die Abwechslung, das Gespräch und die Wertschätzung, die dabei zum Ausdruck kommt verblüfft die Fahrer oft. Sie schicken ein kleines Video an Ihre Familien, um das Zusammentreffen zu dokumentieren.
Immer wieder trifft das Netzwerk auf Fahrer, die über ausbeuterische Arbeitsverhältnisse berichten.
Nicht alle haben einen Arbeitgeber, der die Arbeit auch finanziell würdigt und gerechte Löhne bezahlt. Ein Unterbietungswettbewerb beherrscht den LKW-Fernverkehr auf Europas Autobahnen und führt zu immer weiterem Preisdumping. Leidtragende sind die Fahrer, die unter sklavenartigen Bedingungen fahren und über dubiose Leiharbeitsfirmen angeworben werden. Mitarbeiterinnen der Fairen Mobilität versuchen Aufklärungsarbeit zum teilweise massiven Lohnbetrug zu leisten und klären die Fahrer bei den Lenkpausen über ihre Rechte auf.
Heike Gotzmann (Betriebs- und Fernfahrerseelsorgerin in der Erzdiözese Freiburg), Klaus Käfer (Pfarrer in Singen) organisieren zusammen mit Sybille Geitner (Diözesanstelle Bodensee-Hohenzollern) die Lenkpausen im Hegau. Jetzt zu Ostern bereits zum 20. Mal. Sie möchten gerne mitmachen oder das Projekt finanziell unterstützen? - Weitere Infos unter www.lenkpause.de